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International

19.02.2012 22:00

Karin, du bist die Größte!

Von: Sven Heise

Karin Schnaase

Karin Schnaase jubelt über Gold bei der Badminton-EM. [Foto: Sven Heise]

Die Chancen standen so gut wie nie, die Dänen vom Thron zu stoßen. Optimistisch gingen Teamleitung und Fans ins Finale. Aber nicht die Olympiakandidaten entschieden das Spiel, es war die Stunde von Karin Schnaase.

Bei den Grand Prix-Turnieren stehen meistens nur einige Spieler im Mittelpunkt. Doch bei den Teamwettbewerben ist es anders. Hier schlägt die Stunde derjenigen, die genauso hart trainieren, deren Leistung im Rummel um die Stars aber oft untergeht. Und am Sonntag, dem 19. Februar 2012, kurz nach 18 Uhr war die Stunde für Karin Schnaase gekommen. Sie sprang, sie flog, sie hechtete, sie grub die Bälle aus und kämpfte um ihr Leben - im dritten und entscheidenden Einzel des Finales der Team-Europameisterschaft zwischen Deutschland und Titelverteidiger Dänemark in Amsterdam.

Lange vorbei war das erste Einzel zwischen Tine Baun und Juliane Schenk, in dem Tine erfolgreich Revanche für die bittere WM-Niederlage gegen Deutschlands Nummer eins genommen hatte. Olga Konon, die neue Deutsche Meisterin, hatte mit dem klaren Sieg im zweiten Einzel den Ausgleich hergestellt und mit dem vierten Sieg im vierten Spiel eine blitzsaubere Turnierleistung abgeliefert.

Aber danach schien es, als wäre die Aufstellungstaktik des deutschen Teams ein Flop gewesen - statt das eingespielte Duo Sandra Marinello und Birgit Michels ins erste Doppel zu stellen, spielte Juliane Schenk, mehrfache Deutsche Meisterin im Doppel, mit Birgit im zweiten Doppel gegen Kruse/Roepke. Der erste Satz ging desaströs mit 9:21 verloren. Doch Juli und Birgit fanden zu ihrer Form, drehten das Match und gewannen 21:17, 21:16.

Jetzt kam Karin Schnaases großer Auftritt gegen Line Kjaersfeld. Hartumkämpft begann das Spiel, in langen Ballwechseln gingen beide Spielerinnen an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Die mit Silber dekorierten deutschen Männer auf der Tribüne fieberten mit, die Teamkolleginen feuerten lautstark an, viele Eltern und Freunde waren aus Deutschland gekommen, um das Spiel um den Titel mitzuerleben. Vater Michael Schnaase, selbst ein erfolgreicher Badmintonspieler, konnte seiner Tochter im Kampf um den EM-Titel zusehen. Und dann schien es doch nicht zu klappen - beim Stand von 17:20 hatte die Dänin drei Satzbälle. Doch Karin steigerte sich nochmal, glich aus, wehrte noch einen Satzball ab und holte sich den Satz mit 23:21.

Der zweite Satz forderte Karin noch einmal aufs Äußerste. Hier war die Chance, die man in einem Sportlerleben nur selten hat und Karin nutzte sie. Der dritte Matchball saß, dann brachen alle Dämme. Karin triumphierte und wurde von den jubelnden Teamkolleginnen begraben.

Natürlich haben alle zum Erfolg beigetragen - die Ersatzspielerinnen, die in der Vorrunde ihren Teil zum Erfolg beitrugen und ihre Teamkolleginnen in der KO-Runde unentwegt anfeuerten. Die Trainer und Betreuer, die für die Aufstellung und die Taktik verantwortlich waren. Olga Konon, Juliane Schenk und Birgit Michels, die für die 2:1-Führung sorgten. Aber am Ende war es eben Karin Schnaase, die den Glanzpunkt setzen durfte. Nach Verletzungen und Enttäuschungen, zuletzt dem verlorenen DM-Finale, gab es sicher niemanden in der Halle, der Karin diesen Triumph nicht gegönnt hätte.

"Ich hab alles gegeben, sogar mein letztes Hemd - Juli hat mir das Trikot zerrissen. " freute sich Karin nach der Siegerehrung im Badzine-Interview. "Ich wollte alles geben und das hat gottseidank geklappt! Was soll ich sagen? Wir sind das erste Mal Europameister. Ich bin megahappy, alle sind glücklich und jetzt gehen wir feiern!"

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